27. April 2026
Von: Osvaldo Huerta

Eigentlich war der Plan ein anderer. Ich wollte den ersten Klick-Klick-Bau in Wohnzimmer Bar machen — das ist der Ort, an dem ich arbeite und mich am wohlsten fühle. Mein Chef hatte aber eine bessere Idee: „Mach es im Ratskeller, dort ist die Atmosphäre familienfreundlicher.“ Er hatte recht. Ich hatte mit drei Tischen gerechnet. Wir bekamen einen ganzen Saal. Dafür finde ich keine Worte.


Foto oder Fantasie
Die Idee war eigentlich einfach: jedes Kind bringt ein Foto von etwas mit, das es nachbauen will. Ein Haus, ein Tier, ein Lieblingsort. Manche brachten ihr Foto, viele aber nicht. Und genau das wurde zum schönsten Teil des Nachmittags. Die Kinder, die ohne Vorlage kamen, bauten aus dem Kopf — und was dabei rauskam, hatte mehr Persönlichkeit als jeder Bauplan.


Eltern, die mitbauten
Was ich nicht erwartet hatte: dass die Eltern bleiben und mitmachen würden. Manche setzten sich zu ihren Kindern und bauten gemeinsam. Andere sortierten Steine, suchten die richtige Farbe für jemanden, der sie gerade brauchte, oder hielten zwei kleine Teile zusammen, weil vier Hände besser sind als zwei. Es war kein Kinderworkshop. Es war ein Familiennachmittag, der zufällig aus Klemmbausteinen bestand.






Geschichten in Steinen
Was die Kinder gebaut haben, waren keine Objekte. Es waren Geschichten. Und je länger der Nachmittag dauerte, desto mehr verstanden wir, dass jedes Werk seinen eigenen kleinen Plot hatte.
Da war das Hexenhäuschen mit grünem Dach, blauem Fenster und einer Hexe samt Besen davor — komplettes kleines Universum.


Daneben entstand ein Stall mit einem rosa Schwein und einem Cowboy, der wahrscheinlich gerade kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Und ein Kratzbaum für ein gelbes Kätzchen — mehrstöckig, mit eigener Aussichtsplattform ganz oben.


Und gleich daneben ein zweiter, ganz kleiner Stall — diesmal nicht auf dem Tisch, sondern in den Händen einer Bäuerin getragen. Das Schwein hatte jetzt zwei Häuser. Manche Kinder bauten lieber im Stehen, in Bewegung, immer einen Schritt vom „fertig“ entfernt.



Und dann gab es eine ganze Kletterwand. Kleine Kletter-Figuren, danebengezeichnete Trainings-Karten in Wasserfarbe. Die Bierflaschen, die ihr drumherum auf dem Tisch seht, waren übrigens nichts Besonderes — einfach das, was die Erwachsenen gerade tranken. Die Kinder haben sie in ihre Szene mit eingebaut, als wären sie schon immer dazu gehört.


Und schließlich eine Mama, die im Park auf einer Bank sitzt, neben einem Pavillon — nachgebaut nach einer Postkarte aus dem Coburger Hofgarten. Klein, ruhig, präzise. Wer auch immer das gebaut hat: das war für jemanden ganz Bestimmten.


Mit Foto oder ohne — alle hatten Spaß
Am Ende war es egal, ob jemand mit Vorlage gekommen war oder mit leeren Händen. Alle haben gebaut, alle haben gelacht, alle haben mitgenommen, was sie wollten — die Kinder ihre Werke, die Eltern ein paar ruhige Stunden mit ihren Kindern an einem Ort, der sich nicht nach Programm anfühlte. Das war alles, was wir wollten.
Wie es weitergeht
Klick-Klick-Bau war der erste Workshop einer Serie, die wir in den nächsten Monaten in Bamberg, Nürnberg und Würzburg weiterführen werden. Wenn ihr in einer dieser Städte einen Ort habt, der genauso passen würde wie der Ratskeller — oder wenn ihr Bescheid wissen wollt, wann der nächste Termin in eurer Stadt steht — schreibt uns über Kontakt.
Alle anstehenden Workshops findet ihr auf unserer Veranstaltungen-Seite, und mehr über unsere Workshop-Reihe unter Casa Lab.
Ein riesiges Dankeschön an Nima und Hellen vom Ratskeller Coburg, die uns nicht drei Tische, sondern einen ganzen Saal gegeben haben. Und an alle Eltern und Kinder, die einen Samstagnachmittag mit uns geteilt haben.